28. Februar 2024

Roma

 

In schwarz-weiß …

Schwarzweiß oder in Farbe, diese Frage beschäftigt Fabian jedes Mal, wenn wir Koffer packen. In der analogen Fotografie muss man sich im Voraus für den Bildlook entscheiden. In der digitalen Fotografie überlege ich mir dies meistens während der Nachbearbeitung. Dabei verbringe ich jedoch umso mehr Zeit mit der Feinabstimmung von Looks und Presets. Am Ende ist alles eine Frage des Bauchgefühls. Fabian hat sich für schwarz-weiß entschieden, für Ilford FP4+ und Fomapan 400 Action, mit der Idee Licht, Schatten und Formgebung hervorzuheben, während Unwesentliches ausgeblendet wird. Gleichzeitig sollte die historische Atmosphäre verstärkt werden.

In der Woche der Semesterferien, wo Südtirol vom Skitourismus überflutet wird und wir den Wintersport der Massen wegen meiden, sind wir in den Zug gen Süden eingestiegen. Die Frecciarossa brachte uns von Bozen in wenigen Stunden nach Rom, wo uns der Frühling begrüßte. Wenn man das erste Mal in Rom ist, steht die Frage im Raum, ob wir uns denn die klassischen Sehenswürdigkeiten entgehen lassen könnten. Letztendlich entschieden wir uns doch dagegen, standen in Schlangen am Kolosseum und Forum Romanum (immerhin hatte es keine sommerlichen 40 Grad) besuchten das Pantheon und den Petersdom, und genossen den Sonnenuntergang bei der Villa Borghese. Einige Einheimische meinten, Rom geht in den letzten Jahren im Tourismus ein wenig unter. Dennoch entdeckten wir enge, ruhige Gassen mit weniger bekannten Läden, Galerien, kreativen Cafés und authentischen Restaurants. Rom mag eine Großstadt sein, aber es strahlt das Flair eines italienischen Badeortes aus, gemütlich und entspannt, dank der Einheimischen, die keine Hektik aufkommen lassen, abgesehen vielleicht vom Stadtverkehr.

Im Rückblick behalte ich die imposante 2000 Jahre alte Geschichte, die Weitläufigkeit des Forum Romanum und die Größe des Kolosseums im Gedächtnis. Die Bilder von Helmut Newton in der Area Pacis inspirierten mich besonders und dennoch bleibt das Gefühl, dass etwas fehlt. Nach längerem Nachdenken komme ich zu dem Schluss, dass wir vielleicht mutiger auf die Klassiker hätten verzichten sollen, um unsere eigenen, anderen Wege zu gehen. Ich habe eine Münze in den Trevi Brunnen geworfen, was bedeutet, dass ich zurückkehren werde. Dieses Mal bin ich entschlossen, auf der Suche nach dem besonderen Etwas, das mir im Moment noch fehlt.

Fabian setzte für diese Serie die Mittelformatkamera Mamiya 7 ein, mit 43 mm, 65 mm und 150 mm Objektiven im Format 6×7. Er schätzt diese Kamera besonders wegen dem integrierten Belichtungsmesser und der Kompaktheit. Nachdem wir bereits am Vortag das Fotoequipment durch Sicherheitskontrollen geschleust hatten, entstand die Sorge, dass die Filme durch Röntgenstrahlen Schaden nehmen könnten. Am nächsten Tag vermieden wir dies tunlichst. Das größere Format reizt uns im Vergleich zum Kleinbild, sowohl aufgrund der höheren Auflösung als auch der zugeschriebenen höheren Dreidimensionalität. Dabei verwendete Fabian teilweise Gelb- und Hellorangefilter, um den Himmel dunkler zu gestalten und mehr Dramatik zu erzeugen. Einen der 5 Ilforf FP 4+ Filme belichteten wir auf ISO 400 und entwickelten diesen dementsprechend länger (15 min. Rotation). Bei fast 2 Stufen „Push“ hat uns das Ergebnis sehr überzeugt. Die fünf Filme haben wir gemeinsam in der Dunkelkammer mit Adox Adonal im Verhältnis 1:50 entwickelt. Man wartet stets gespannt auf den Augenblick, in dem die Bilder und Erinnerungen erscheinen, und jedes Mal ist es von neuem wunderbar. Häufig digitalisieren wir die Negative und optimieren sie am Computer, um sie auf Fine-Art Papieren auszudrucken. Doch dieses Mal sollte der Prozess analog bleiben. Fünf davon haben wir ausgewählt und auf Papier vergrößert. Und ich, die üblicherweise die digitale Version bevorzugt, muss gestehen, dass ich Stunden in diesem dunklen Raum verbringen könnte. Eure Caro

© Fabian Haspinger, 2024